Wir brauchen Exzellenz
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Wir brauchen Exzellenz

In einer Zeit multipler Krisen – sei es ökonomischer, ökologischer oder politischer Natur – wird eines immer deutlicher:

Die Zukunft gehört jenen Gesellschaften, die konsequent auf Wissen, Bildung und Innovation setzen. Für ein ressourcenarmes Land wie Österreich, das im globalen Wettbewerb weder über nennenswerte Rohstoffe noch über ein starkes geopolitisches Gewicht verfügt, sollte Exzellenzförderung daher kein Tabu, sondern ein strategischer Imperativ sein. Und doch scheint es, als würde man sich hierzulande geradezu schämen, Exzellenzförderung offensiv zu betreiben.

Exzellenz wird in Österreich häufig mit Elitarismus verwechselt, ein folgenschweres Missverständnis. Denn es geht nicht darum, eine privilegierte Bildungselite zu züchten, sondern darum, das geistige Potenzial junger Menschen gezielt zu entfalten – unabhängig von Herkunft oder sozialem Status. In der Praxis heißt das: Schüler:innen mit besonderen Leistungen und Begabungen sollten nicht ausgebremst, sondern gefördert werden – etwa durch vertiefende Kurse, Wettbewerbe, Stipendienprogramme und individuelle Entwicklungspläne.

Ein Blick über die Grenze zeigt, dass es auch anders geht. In Bayern, meiner zweiten Heimat, existiert mit dem Maximilianeum ein seit Jahrzehnten bewährtes Beispiel für eine wertschätzende und leistungsorientierte Förderung: Ein  kostenfreies Studentenheim für Maturant:innen mit einem Notendurchschnitt von 1,0 – ein starkes Zeichen der Anerkennung für schulische Spitzenleistungen und ein konkreter Beitrag zur Bildungselite von morgen.

Warum fehlt ein vergleichbares Angebot in Österreich? Warum wird intellektuelle Höchstleistung hier oft mit Skepsis, ja beinahe mit Misstrauen betrachtet? Es ist höchste Zeit, dass wir diesen Mentalitätswandel vollziehen. Die Förderung von Exzellenz ist kein Widerspruch zur Chancengerechtigkeit – im Gegenteil: Sie ist deren konsequente Fortsetzung. Denn echte Chancengerechtigkeit bedeutet auch, dass Hochbegabte aus allen Gesellschaftsschichten ihre Fähigkeiten voll entfalten können.

Wenn Europa im globalen Konzert weiterhin mitspielen will, dann muss es – gerade in ressourcenarmen Ländern wie Österreich – auf seine klügsten Köpfe setzen. Der Rohstoff der Zukunft ist nicht Erdöl, sondern Wissen. Und Bildung ist unsere wichtigste Ressource.

Deshalb braucht es endlich eine mutige, offensive und gerechte Exzellenzförderung. Nicht als Privileg für wenige, sondern als Zukunftsinvestition für alle.