Der Bildungserfolg hängt in Österreich besonders stark vom soziökonomischen Background ab.
Der in der Vorwoche erschienene „Bundesergebnisbericht der iKMPLUS Primarstufe“ bringt dies neuerlich in die Schlagzeilen.
Der Zusammenhang zwischen dem Elternhaus und dem Bildungserfolg ist zwar weltweit gegeben, in Österreich im Alter von 10 Jahren aber besonders ausgeprägt.
Mich stört massiv, dass in Österreich Chancenungleichheiten so naiv diskutiert und z. B. als Begründung für einen Umbau unseres gesamten Schulwesens in Richtung einer Gesamtschule instrumentalisiert werden. Wie sollte das Schulwesen für 10- bis 18-Jährige Ursache für Fehlentwicklungen im ersten Lebensjahrzehnt sein?
Für diese Fehlentwicklungen sind auch nicht die Volksschulen verantwortlich. Die Versäumnisse und damit der Verlust von Bildungschancen passieren weit früher, nämlich in den allerersten Lebensjahren und damit in allererster Linie im Elternhaus. Sozioökonomisch bedingte Differenzen in den Bildungschancen betreffen aber nicht nur das „Bildungsniveau“ der Eltern und ihren finanziellen Wohlstand. Vielmehr geht es, wie bildungswissenschaftliche Analysen längst aufgezeigt haben, in erster Linie um Zeit, Kraft und Nerven. Zeit, um sich dem Kind wirklich zuzuwenden, und Kraft und Nerven, um erfolgreiche Erziehungsarbeit zu leisten, statt wegzuschauen oder sich autoritär über das Kind hinwegzusetzen. Wer sein Kind nicht erzieht, sondern es unterdrückt oder ganz einfach „machen lässt“, vernachlässigt es und raubt ihm Bildungschancen. Eine gelingende Erziehung erhöht hingegen Bildungschancen enorm. Warum dies so ist, hat zuletzt Univ.-Prof. Pallavi Banerjee ausführlich analysiert.[1]
„iKMPLUS“ misst Ergebnisse mit 10. Wer in 10 Jahren bessere Ergebnisse wünscht, muss heute ansetzen.
[1]Univ.-Prof. Pallavi Banerjee, The home learning Environment and Attainment (2025).
