Das hätte man billiger haben können
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Das hätte man billiger haben können

Vor einigen Tagen hat der Rechnungshof seinen Bericht zum Lehrpersonaleinsatz veröffentlicht.

Darin findet man Erkenntnisse, die den Großteil von uns Lehrer:innen nicht verwundern werden. Unter anderem bekommen wir hier amtlich bestätigt, dass im Bildungsministerium schon 2009 bekannt war, dass ab dem Schuljahr 2018/19 mit Lehrpersonalmangel zu rechnen sei. Es wird weiters darauf hingewiesen, dass systemische Maßnahmen ausblieben und man erst im Jahr 2022 mit „Klasse Job“ eine Initiative gestartet hat, die dem Lehrer:innenmangel entgegenwirkt. Konkret wird auf das Teilprojekt zur Gewinnung von Quereinsteiger:innen hingewiesen. Dabei wird bemängelt, dass sich im Schuljahr 2023/24 zwar über fünftausend Personen für den Quereinstieg beworben haben, von denen circa die Hälfte zertifiziert wurde, am Ende aber nicht einmal siebenhundert den Weg in den Unterricht fanden.

Weiters wird vom Rechnungshof ausgeführt, dass möglicherweise auch die Verlängerung der Studiendauer im Rahmen der „PädagogInnenbidung NEU“ zur Verschärfung des Lehrpersonalmangels beigetragen habe. Die Tatsache, dass im Schuljahr 2023/24 rund siebentausend Vollzeitbeschäftigte durch Mehrdienstleistungen ersetzt wurden, wird als Gefahr gesehen, da damit das Risiko der verstärkten Belastung einzelner Lehrer:innen verbunden ist. Als einer der Lösungsansätze wird vom Rechnungshof die Verringerung der Teilzeitquote genannt.

Aus Sicht der Gewerkschaft kann man den Verfasser:innen des Berichts in weiten Bereichen zustimmen. Wir haben den drohenden Personalmangel im Schulbereich schon vor Jahren thematisiert und das Bildungsministerium zum Handeln aufgefordert. Die damaligen Minister:innen wollten davon allerdings nichts wissen. Sie gossen mit den von ihnen initiierten Änderungen in der Ausbildung und im Dienstrecht nur noch Öl ins Feuer. Die vom Rechnungshof bemängelte Teilzeitquote ist in weiten Teilen eine Folge des neuen Dienstrechts. Unseren jungen Kolleg:innen wirft man völlig zu Unrecht vor, dass es ihnen dabei nur um ihre Work-Life-Balance ginge. Tatsächlich sind die Anforderungen des neuen Dienstrechts für viele engagierte Lehrkräfte kaum mit einem verantwortungsvoll ausgeübten Beruf vereinbar.

Hätte man frühzeitig auf Sachverstand und Erfahrung der Standesvertretung gehört, hätte man sich viele Fehlentwicklungen erspart. Den aktuellen Bildungsminister fordere ich dazu auf, die Gewerkschaft nicht wie bisher als Feindbild zu sehen, sondern als das, was sie wirklich ist. Wir stehen in der Schulwirklichkeit, erkennen somit rasch Fehlentwicklungen, können auf sie hinweisen und haben offensichtlich auch den richtigen Riecher. Den Bericht des Rechnungshofs, der nun zu den Schlüssen kommt, die wir schon vor Jahren artikuliert haben, hätte sich die Schulpolitik ersparen können und im Interesse unseres Schulwesens ersparen sollen.