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Es darf auch mal fad sein

Wer kennt das nicht: Endlich ist Wochenende und der Kalender ist vollgepackt.

Jetzt wird erledigt, was unter der Woche liegen geblieben ist. Man trifft Freunde, besucht kulturelle Veranstaltungen, arbeitet im Garten, geht einkaufen oder plant schon die kommende Woche. Oft fühlt sich ein freies Wochenende fast wie ein kleines Projekt an, das möglichst effizient genutzt werden soll.

Ganz ähnlich geht es auch unseren Schülerinnen und Schülern. Viele Kinder und Jugendliche verbringen ihre Tage mit einem dichten Programm an Schul- und Freizeitaktivitäten. Musikschule, Sporttraining, Nachhilfe oder ein Verein – oft folgt ein Termin auf den nächsten. Dahinter steckt meist der verständliche Wunsch, Kinder bestmöglich zu fördern, ihnen Chancen zu bieten und sie vielseitig zu unterstützen. Und dennoch wissen wir eigentlich längst: Die schönsten und wichtigsten Momente sind oft die unspektakulären. Die Zeiten, in denen nichts Besonderes passiert. Augenblicke der Ruhe, des Nichtstuns und des einfachen Daseins.

Gerade Kinder brauchen diese unverplante Zeit. Es muss nicht ständig Action geben, nicht immer ein Ziel, ein Programm oder eine Leistung. Menschen – und besonders junge Menschen – brauchen Phasen, in denen sie nichts „müssen“. Zeiten, in denen sie einfach sie selbst sein dürfen. Zeit zum Trödeln, Tagträumen oder auch einmal zum gelangweilten Herumsitzen, ohne das Gefühl zu haben, etwas zu versäumen. Denn genau in dieser vermeintlichen Langeweile entsteht etwas Wertvolles. Kinder beginnen, eigene Ideen zu entwickeln, Spiele zu erfinden oder Gedanken nachzuhängen. Sie verarbeiten Eindrücke und Informationen, die heute – nicht zuletzt durch soziale Medien – permanent auf sie einströmen. Wo jede Minute verplant ist, bleibt dafür kein Raum. Langeweile schafft Freiräume für Fantasie und Kreativität. Sie fördert Selbstständigkeit, innere Ruhe und die Fähigkeit, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Wer lernt, Leerlauf auszuhalten, entwickelt wichtige Lebenskompetenzen: Geduld, Eigeninitiative und die Fähigkeit, auch ohne äußere Unterhaltung zufrieden zu sein.

Vielleicht sollten wir deshalb der Langeweile wieder mehr Platz geben – unseren Schülerinnen und Schülern, aber auch uns selbst. Nicht jede freie Minute muss genutzt oder optimiert werden. Manchmal liegt gerade im Nichtstun das Wertvollste.

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