Der dritte Pädagoge

Der dritte Pädagoge

Noch bis vor 10, 15 Jahren waren Schulbauten oft schlicht gedacht:

Klassenräume mit einer bestimmten Größe, gleich eingerichtet und dazu lange, breite Gänge – funktional, aber wenig inspirierend. In Österreich stehen noch viele Schulgebäude aus diesen Zeiten. Doch sie sind in die Jahre gekommen und werden nun Schritt für Schritt – unter anderem durch Finanzierung der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) – modernisiert oder durch Neubauten ersetzt. Und neue Schulstandorte können ohnehin architektonisch ganz zukunftsorientiert geplant und gebaut werden.

Dabei hat sich ein entscheidender Gedanke durchgesetzt: Architektur beeinflusst das Lernen. Erst kürzlich war ich bei der Eröffnung einer Schule nach einem umfassenden Um- und Zubau – geplant nach neuesten Konzepten: Moderne Belüftungssysteme, Photovoltaikanlagen und viel Grün schaffen nicht nur ein nachhaltiges Umfeld, sondern auch eine angenehme Atmosphäre. Vor allem die Raumaufteilung hat sich grundlegend verändert: Weg vom starren Klassenzimmer, hin zu flexiblen Lernlandschaften. Ein neues Verständnis von Lernen braucht neue Räume. Frontalunterricht tritt in den Hintergrund, stattdessen passen sich die Räume Gruppenarbeiten, offenen Lernformen und individuellen Bedürfnissen an. Nicht umsonst betonte der italienische Erziehungswissenschaftler Loris Malaguzzi, dass neben Mitschüler:innen und Lehrpersonen auch die Räume selbst als „dritte Pädagogen“ wirken. Schule wird damit immer mehr zum Lern- und Lebensort. Das bedeutet auch: Freizeitbereiche, Möglichkeiten zum gemeinsamen Essen, Orte für Austausch genauso wie Rückzugsräume zum konzentrierten Arbeiten müssen mitgedacht werden.

Ein echter Paradigmenwechsel hat stattgefunden: Moderne Schulen sind Orte zum Wohlfühlen, die sich positiv auf Motivation und Lernergebnisse auswirken. Eine inspirierende Umgebung wird so zur Grundlage für erfolgreiches Lernen.