Sonderausgaben

Siehe auch: Werbungskosten, Finanzamtsverfahren, Außergewöhnliche Belastung

Sonderausgaben:

a) Arten der Sonderausgaben:

Das Einkommensteuergesetz 1988 zählt bestimmte private Ausgaben auf, die steuerlich begünstigt werden. Sind die aufgezählten Ausgaben gleichzeitig Werbungskosten oder Betriebsausgaben, dann sind sie als solche abzugsfähig. Folgende Sonderausgaben sind teils in unbeschränkter Höhe, teils in begrenztem Umfang abziehbar:

Auch Verlustabzüge (= Verluste aus einer betrieblichen Tätigkeit, die in Vorjahren nicht mit positiven Einkünften ausgeglichen werden konnten) gelten als Sonderausgaben.

b) Allgemeines zur Absetzbarkeit und Geltendmachung von Sonderausgaben:

Zeitpunkt der Absetzbarkeit:

Geltendmachung von Zahlungen für andere Personen als Sonderausgaben:

Geltendmachung von Sonderausgaben:

c) „Topf-Sonderausgaben":

Achtung: Die Topf-Sonderausgaben wurden durch die Steuerreform 2016 gestrichen! Daher können bis 2020 solche Ausgaben nur dan geltend gemact werden, wenn sie spätesens 2015 abgeschlossen bzw. die Bauausführung 2015 begonnen worden ist. Der Erhöhungsbetrag für 3 Kinder entfällt schon 2016!

Einige Sonderausgaben sind nur im Rahmen des gemeinsamen Höchstbetrages abzugsfähig. Weil diese Sonderausgaben bei der steuerlichen Wirksamkeit sozusagen „in einen Topf" geworfen werden, hat sich dafür der Begriff „TopfSonderausgaben" entwickelt.

Versicherungsprämien (außer: freiwillige Weiterversicherung und Nachkauf von Versicherungszeiten), Pensionskassenbeiträge, Wohnraumschaffung, Wohnraumsanierung, junge Aktien (einschließlich Wohnsparaktien und Wandelschuldverschreibungen zur Förderung des Wohnbaus) und Genussscheine werden als „Topf-Sonderausgaben" bezeichnet und sind insgesamt bis zu einem persönlichen Höchstbetrag von € 2.920,-jährlich abzugsfähig.

Der persönliche Höchstbetrag erhöht sich für Alleinverdiener und Alleinerzieher auf € 5.840,-, ab drei Kindern um € 1.460,- auf € 4.380,- oder € 7.300,-. Sonderausgaben innerhalb des Höchstbetrages werden nur im Ausmaß eines Viertels steuerwirksam.

Sonderausgabenpauschale: Unabhängig davon, ob ein Steuerpflichtiger Sonderausgaben geltend macht oder nicht, wird ihm automatisch ein „Sonderausgabenpauschalbetrag" in der Höhe von € 60,- von den Einkünften jährlich abgezogen, ehe der Steuertarif angewandt wird. Die steuerwirksamen Sonderausgaben, die unter den Höchstbetrag fallen, werden daher um das Pauschale gekürzt bzw. wirken sich Sonderausgaben nur dann aus, wenn sie höher als der Pauschalbetrag sind.

Steuerliche Auswirkung der Topf-Sonderausgaben:

(60.000 minus steuerpflichtiges Einkommen) * Sonderausgabenviertel +60
23.600

d) Versicherungsprämien:

Beiträge für die freiwillige Weiterversicherung in der gesetzlichen Pensionsversicherung und für den Nachkauf von Versicherungszeiten in der gesetzlichen Sozialversicherung sind ohne Höchstbetragsbeschränkung in vollem Ausmaß (keine Viertelung) und ohne Kürzung um den Pauschalbetrag abzugsfähig.

Unter die Sonderausgabenbegünstigung im Rahmen des gemeinsamen Höchstabsetzbetrages („Topf-Sonderausgaben") fallen nur Personenversicherungen, nicht aber Sachversicherungen (z. B. Feuerversicherung, Haushaltsversicherung).

Mit Ausnahme der Beiträge zu einer freiwilligen Höherversicherung sind Prämien an alle im EU-Raum ansässigen Versicherungsgesellschaften absetzbar.

Wenn man für die Beiträge zu einer freiwilligen Höherversicherung in der gesetzlichen Pensionsversicherung eine Pensions-Vorsorge-Prämie beansprucht, kann man dafür nicht gleichzeitig Sonderausgaben geltend machen.

Nachversteuerung von Versicherungsprämien:

Pensionskassenbeiträge:

e) Wohnraumschaffung und Wohnraumsanierung:

Aufwendungen für die Errichtung von Eigenheimen und Eigentumswohnungen oder Zahlungen für achtjährig gebundene Beträge an Bauträger (Baukostenzuschüsse für die Errichtung einer Mietwohnung z. B. an Genossenschaften und Gemeinden) sind als Sonderausgaben innerhalb des gemeinsamen Höchstbetrages („Topf-Sonderausgaben") absetzbar.

Ein Eigenheim ist ein Wohnhaus im Inland, das ganzjährig bewohnt werden kann (Beheizbarkeit, Benützungsbewilligung). Ein Gartenhaus oder ein Badebungalow ist kein Eigenheim. Das Eigenheim darf maximal zwei Wohnungen haben, mindestens zwei Drittel der Gesamtnutzfläche müssen Wohnzwecken dienen.

Sonderausgaben kann der Eigentümer oder Miteigentümer geltend machen. Wenn die Eltern Eigentümer des Eigenheimes sind, dann können die Kinder, die sich an der Errichtung beteiligen, aber nicht Miteigentümer sind, keine Sonderausgaben hiefür geltend machen.

Begünstigt ist die Errichtung (auch eines Fertigteilhauses), nicht aber der Ankauf eines fertigen Eigenheimes. Erwirbt jemand einen Rohbau, dann sind zwar die Anschaffungskosten des Rohbaus keine Sonderausgaben, wohl aber die weiteren Kosten der Baumaßnahmen.

Das Eigenheim oder die Eigentumswohnung muss unmittelbar nach Fertigstellung für einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren Hauptwohnsitz sein.

Zu den Errichtungskosten gehören die Grundstückskosten und alle mittel- und unmittelbaren Kosten der Baumaßnahmen:

Keine Sonderausgaben sind hingegen.

Wer den Kauf eines Grundstückes als Sonderausgabe geltend macht, muss innerhalb von fünf Jahren mit Baumaßnahmen beginnen. Der Erwerb des Grundstückes nach der Errichtung des Eigenheimes führt nicht zu Sonderausgaben.

Sonderausgaben für die Schaffung von Wohnraum können im Regelfall nur bis zur Fertigstellung (Erteilung der Benützungsbewilligung) des Eigenheimes geltend gemacht werden, danach nur noch Kredit- oder Darlehensrückzahlungen inkl. Zinsen. Werden in der Benützungsbewilligung weitere Auflagen erteilt (z. B. Verputz der Fassade), so zählen die Aufwendungen dafür noch zu den begünstigten Errichtungskosten.

Eigentumswohnung: Als Sonderausgaben können die Aufwendungen für die Errichtung einer Eigentumswohnung im Sinne des Wohnungseigentumsgesetzes geltend gemacht werden, von der zumindest zwei Drittel Wohnzwecken dienen. Nicht abgesetzt werden kann der Ankauf einer bereits fertiggestellten (errichteten) Eigentumswohnung.

Unter „achtjährig gebundenen Beträgen" versteht man Zahlungen des Wohnungswerbers zur Schaffung von Wohnraum an

Werden die Beträge vor Ablauf von acht Jahren seit Vertragsabschluss zurückgezahlt, kommt es zu einer Nachversteuerung. Geht die Wohnung ins Eigentum des Wohnungswerbers über oder werden die rückgezahlten Beträge wieder für Wohnraumschaffung oder -sanierung verwendet, unterbleibt die Nachversteuerung.

Welche Ausgaben zur Wohnraumsanierung können als Sonderausgaben berücksichtigt werden?

Instandsetzungsarbeiten sind vor allem:

Herstellungsmaßnahmen sind vor allem:

Nicht abgesetzt werden können:

Darlehensfinanzierung:

f) Spenden:

In der Regel sind Spenden (z. B. an karitative Organisationen) nicht absetzbar. Eine Steuerbegünstigung besteht aber insbesondere für Spenden an Forschungs- und Lehreinrichtungen. Folgende begünstigte Spendenempfänger sind im Gesetz konkret aufgezählt:

Die Finanzverwaltung kann mit Bescheid auch andere gemeinnützige, wissenschaftliche Vereine und Einrichtungen im Bereich der Forschung und Lehre als begünstigte Spendenempfänger anerkennen. Eine Liste dieser begünstigten Empfänger findet man auf www.bmf.gv.at.

g) Kirchenbeiträge:

Beiträge an gesetzlich anerkannte Kirchen und Religionsgemeinschaften können bis höchstens € 400,- abgesetzt werden. Sie sind neben den Topf-Sonderausgaben absetzbar und werden auch nicht um das Sonderausgabenpauschale gekürzt.

Man kann diese Beiträge unter bestimmten Voraussetzungen auch bei seinem Arbeitgeber oder dem Pensionsversicherungsträger (pensionsauszahlende Stelle) geltend machen („siehe Aufrollung durch den Arbeitgeber").

h) Prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge:

Die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge kann von allen in Österreich unbeschränkt Steuerpflichtigen, die keine gesetzliche Alterspension beziehen, in Anspruch genommen werden.

Die Förderung erfolgt über einen Pauschalbetrag, der sich nach einem Prozentsatz der im jeweiligen Kalenderjahr geleisteten Prämie bemisst. Im Jahr 2007 beträgt die ZukunftsVorsorgeprämie 9%, im Jahr 2008 beträgt sie 9,5% der Beiträge. Die Prämie wird nur für Leistungen im Ausmaß von 1,53% der 36fachen Höchstbeitragsgrundlage zur Sozialversicherung (HB-SV) erstattet.

Die Prämie wird letztmalig für jenes Kalenderjahr gutgeschrieben, in dem der Steuerpflichtige erstmalig eine gesetzliche Alterspension bezieht. Zusätzlich zur Prämienförderung muss von Seiten der Zukunftsvorsorgeeinrichtung oder des Kreditinstitutes, die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorgen abschließen, eine Kapitalgarantie gewährt werden.

Der Antrag wird über die jeweilige Zukunftsvorsorgeeinrichtung bei der Finanzverwaltung gestellt.

Nach einem Zeitraum von mindestens zehn Jahren (ab Einzahlung des ersten Betrages) kann man über die Ansprüche verfügen. Man hat die Möglichkeit

Wie werden die Erträge aus den prämienbegünstigten Zukunftsvorsorgeeinrichtungen steuerlich behandelt?
Werden die Ansprüche in eine Zukunftsvorsorgeeinrichtung übertragen bzw. fließt dem Versicherten aus diesen Einrichtungen eine Rente zu, fällt keine Steuer an.

Was geschieht im Falle der Auszahlung der Ansprüche?
Im Falle der Auszahlung der Ansprüche sind die gutgeschriebenen Prämien zur Hälfte zurückzuzahlen und die Kapitalerträge mit einem Steuersatz von 25% nachzuversteuern. Zudem verliert man den Anspruch auf Kapitalgarantie.

i) Steuerberatungskosten:

Die Kosten für die Inanspruchnahme eines Steuerberaters (Honorare etc.) sind als Sonderausgaben voll abzugsfähig.

Hiefür besteht der Höhe nach keine Begrenzung; die vollen Kosten stellen einen Steuerfreibetrag für das jeweilige Jahr, in dem sie bezahlt wurden, dar.

Die Steuerberatungskosten fallen nicht unter die Höchstbetrags-Sonderausgaben (= „Topf-Sonderausgaben"), sondern sind extra abzugsfähig.

(Zuletzt aktualisiert: Jänner 2016)